Cursus publicus

Mit dem Begriff cursus publicus (lateinisch etwa: „staatliche Beförderung“) wird ein System zur Beförderung von Nachrichten, Gütern und Personen während der Römischen Kaiserzeit bezeichnet, das unter Augustus eingeführt wurde.

Zitate

Cursus publicus. Das unter Cäser und den diesem folgenden Kaisern große Teile Europas, Afrikas und Vorderasiens umfassende Römerreich konnte nur mit Hilfe eiens gut organiserten Nachrichtenwesens bestehen und verwaltet werden, zu welchem Cäser den Grundstein legte und das unter Augustus zur Staatspost ausgebaut wurde. Diese cursus publicus genannte und mit Wagen oder Schiffen auch zur Beförderung von Perosnen sowie Waren, Kriegsmaterial und Lebensmitteln betriebene Einrichtung unterstand dem AKiser direkt, dem allein auch das verfügungsrecht zukam. Außer zweirädr. Wagen als Schnellpost gab es vierrädr. Reisewagen zur Personenbeförderung sowie stabile Lastwagen. … Auf llen Streken des Cursus publicus, soweit nicht Schiffe in Anspruch genommen werden mußten, waren in abständen von 7-14 km Stationen zum Pferdewechsel und in 28-42 km Entfernung solche zur Erfrischung oder üÜbernachtung der Reisenden eingerichtet. Die Provinzen hatten für alles aufzukommen, was mit dem Cursus zusammenhing, dessen Benutzung für die Reisenden kostenfrei war. Benötigt wurde ein Berechtigungsschein, den nur bevorzugte Personen erheilten. Von den Unterwegsstationen wird die Bezeichnugn Post angeleitet. Unter den Kaisern nerva, Trajan und Hadrian, die auch Staatsmittel zur Verfügugn stellten, erlebte der Cursus publicus zwischen 96 und 138 auf über 80. 000 km ausgebauten Straßen und zahlr. Schiffslinien seine Blütezeit. Mit dem Einfall der Goten verfiel diese Einrichtung; im Oström. Reich bestand sie als Reitpost noch bis etwa 520.
in: Ullrich Häger: Kleines Lexikon der Philatelie

Cursus publicus (Römische Staatspost). Trotz des hohen Kulturstandes des Römischen Reiches und seiner gut ausgebauten Straßen gab es in ihm selbst in der Blütezeit kein geordnetes Verkehrswesen für die Allgemeinheit. Die Bevölkerung war zumeist auf Gelegenheitsboten oder eigene besondere Boten angewiesen. Allein in den größeren Städten fanden sich für den umfangreichen Geschäftsverkehr und Nachrichtenaustausch der Handelstreibenden und für das Verkehrsbedürfnis der geistig hochstehenden Bevölkerung gewerbsmäßige Boten (tabellarii), die gegen Entgelt auf kürzere Wege als Läufer, auf weitere Entfernungen zu Pferde die Nachrichten- und Sachbeförderung übernahmen. Erst Kaiser Augustus (27. v. Chr. bis 14 n. Chr.) schuf nach dem Vorbild der Kurierpost der persischen Könige eine staatliche Verkehrsanstalt, den cursus publicus. Diese Staatspost wurde aber nicht für die Allgemeinheit zur Förderung der Volkswohlfahrt, sondern nur für die Bedürfnisse des Herrschers und der Regierung, also für reine Staatszwecke geschaffen und unterhalten. Ein Regellauf der Verbindungen hat wahrscheinlich nicht bestanden. Zuerst befasste sich der cursus publicus nur mit Brief- und Nachrichtenbeförderung durch Läufer von einer Station zur anderen, bald wurden aber daneben Reitboten, Kuriere (veredarii) auf Pferden (veredi) und Fahrboten für die dienstlichen Reisen der Beamten und Militärpersonen eingeführt. (Aus dem lateinischen paraveredi, Nebenpferde für Seitenkurse, ist durch Zusammenziehung das deutsche „Pferd“ entstanden.)  Der Verkehr bewegte sich im wesentlichen auf den großen Staatsstraßen, an denen Stationen (stationes) angelegt waren, und zwar mansiones in Abständen von einer Tagesreise (20 bis 30 römische Meilen, 28 bis 42 km) mit Gelegenheit zum Erholen und Übernachten in Rasthäusern und mutationes zum wechseln der Pferde und Zugtiere in Entfernungen von 5 bis 9 römischen Meilen (7 bis 14 km). (Auf diese stationes wird wohl mit Recht der Name „Post“ zurückgeführt; mansio posita in N., mutatio posita in N.) Die Stationen trugen Namen nach der Zahl der Meilen des nächsten Meilensteines (z.B. mutatio at octavum), mitunter auch nach der Unterkunftsstelle am Halteplatz (z.B. mansio ad equum magnum, mansio zum großen Pferd). Obwohl die Bestimmungen die Benutzung der Staatspost für private Zwecke grundsätzlich ausschlossen, wurde sie Angehörigen der höheren Stände usw. durch einen besonderen Erlaubnisschein (diploma) mehr und mehr gestattet der Schein evectio galt für freie Fahrt, tractoria zu gleich auch für freie Unterkunft und Verpflegung. Die Vergünstigungen wurden im Laufe der Zeit häufig schwer missbraucht, die Scheine wurden widerrechtlich an Dritte weitergegeben. Da für die Gestellung der Pferde und Wagen und der Bedienung wie besonders auch für die Verpflegung der Reisenden und Tiere die Provinzen aufkommen mussten, wirkte sich der Missbrauch der Erlaubnisscheine in schweren Bedrückungen der zu den Fronleistungen verpflichteten Gemeinden, namentlich der Bürger und Bauern aus. Um diesen Missständen zu steuern, bedrohte der oströmische Kaiser Theodosius (408 – 450 n. Chr.) den Missbrauch und die unberechtigte Weitergabe der Erlaubnisschiene mit Verbannung, ja sogar mit dem Tode.
Über die Gliederung des cursus publicus sind uns erst Nachrichten aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Erhalten. An der Spitze stand der Präfekt der Prätorianergarde (praefectus praetorio) in Rom, später ging mit zunehmender Dezentralisierung die obere Leitung zum Teil auf die höheren Provinzialbehörden (Prokonsulen, Statthalter) über. Im Bereich der Provinzen waren als Leiter die praefecti vehicolorum eingesetzt; sie hatten die Beschaffenheit der Wege zu überwachen, die Stationen zu beaufsichtigen, sich über den Dienst zu unterrichten und darüber an ihre Behörde in Rom zu berichten. Ihre Bezirke waren meist sehr groß. So bildeten die Provinzen Pannonien, Mösien und Noricum einen Postbezirk, er erstreckte sich vom Inn bis Südungarn, nördlich war die Donau, südlich Dalmatien die Grenze. Zur unmittelbaren Überwachung des Dienstbetriebes waren den Präfekten Inspektoren (agentes in rebus) beigegeben, die auch besondere Zuständigkeiten gegenüber den Gemeinden besaßen. Den örtlichen Betrieb der Stationen, der bis zu 40 Pferden umfasste, leiteten die mancipes; ihnen waren stationarii und stratores unterstellt, die für die Verwaltung der Ställe und Beschaffung der Zugtiere sorgten. Dazu kamen Tierärzte (mulomedici), Wagen- und Pferdewärter, Maultiertreiber, Stationsdiener und Handwerker. Wertvolle Transporte wurden von prosecutores begleitet.
Mit der Zunahme des Reise- und Frachtverkehrs ergab sich die Notwendigkeit einer Zweiteilung des Betriebes in den cursus celer oder velox (Schnellverkehr) und cursus claburaris (Frachtverkehr); sie erstreckte sich auch auf die Wagen, leichte und schwere in verschiedener Bauart. Für den Schnelldienst wurde in erster Linie die rheda benutzt, anfangs zweirädrig, später für den Reisedienst vierädrig mit einer Traglast bis 1000 Pfund und einer Bespannung von 8-10 Maultieren oder Pferden. Für die Kuriere war vorzugsweise das zweirädrige leichte cisium in Gebrauch. Schwerer war das carpentum mit zwei oder vier Rädern für Personen und Päckereien. Der einfache carrus diente zur Sachbeförderung, Traglast 600 Pfund. Schließlich wurde zur Personen- und Sachbeförderung die zweirädrige birota verwendet mit einer Bespannung von drei Maultieren oder Pferden. Für den cursus clabularis, der Güter, schweres Gepäck und auch Soldaten zu befördern hatte, waren größere und stärkere Wagen vorgesehen, die clabulae, eine Art unbedeckter vierädriger Leiterwagen sowie arcerae, festverdeckte Wagen. Beide wurden in der Regel von Ochsen gezogen, seltener von Maultieren oder Pferden.
Als Ergänzung des weitverzweigten Straßennetzes benutzte der cursus publicus auch weitgehend die vorhandenen Seeverbindungen. Bei ihnen mussten die Untertanen ebenfalls die Kosten als Fronleistung tragen. Die Frachtschiffer, navicularii, müssten amtliche Personen, Sendungen und Nachrichten auf ihren Fahrzeugen mitbefördern, für den Eildienst mussten in den Häfen besonders dafür geeignete Schiffe, die schnellsegelnden, flachgehenden naves cursoriae oder naves fugaces, ständig bereitgehalten werden.
Das in sich geschlossene machtvolle Bild des cursus publicus in der Kaiserzeit fand seine Stärke in der großzügigen Fürsorge der Staatsgewalt, dem militärischen Aufbau und der grundsätzlichen Beschränkung seiner Benutzung auf die Zwecke der Regierung. Sobald sich die Regierungsbedürfnisse mit dem Zerfall des Römischen Reiches verflüchtigten oder gar aufhörten, zerfiel auch die Verkehrseinrichtung, weil ihr die Wurzeln im Volk fehlten, das nur Lasten und keine Vorteile von ihr gehabt hatte. Nach der Teilung des Reiches gingen in der westlichen Hälfte die auf den Weltmittelpunkt Rom zugeschnittenen Einrichtungen des cursus publicus in den Stürmen der Völkerwanderung, um 500, unter, in der östlichen Hälfte hielt sich der cursus publicus, beschränkt als Kurierdienst durch reitende Boten, zwar länger am Leben, nahm aber zur Wende des 6. Jahrhunderts ebenfalls sein Ende.
in: Hans Rackow: Handwörterbuch des Postwesens

Cursus publicus. Das unter Cäsar und den diesem folgenden Kaisern große Teile Europas, Afrikas und Vorderasiens umfassende Römerreich konnte nur mit Hilfe eines gut organisierten Nachrichtenwesens bestehen und verwaltet werden, zu welchem Cäsar den Grundstein legte und das unter Augustus zur Staatspost ausgebaut wurde. Diese Cursus publicus genannte und mit Wagen oder Schiffen auch zur Beförderung von Personen sowie Waren, Kriegsmaterial und Lebensmitteln betriebene Einrichtung unterstand dem Kaiser direkt, dem allein auch das Verfügungsrecht zukam. Außer zweirädr. Wagen als Schnellpost gab es vierrädr. Reisewagen zur Personenbeförderung sowie stabile Lastwagen. Die Marke Frankreich Mi 1428 mit Darstellung eines Reisewagens aus der Zeit um 250 n.Chr. ist vielleicht deshalb bes. interessant, weil als Vorbild zur Marke ein Grabmal in Igel bei Trier diente (Abguß im Bundespostmuseum Frankfurt/ M.), und über dem Wagen der Teil eines Meilensteines L IIII ( = Leugae 4 = 4 Meilen) zu sehen ist. Meilensteine bzw. Meilensäulen waren auch nach dem Aufkommen der späteren Staatsposten von Bedeutung; sie zeigten die Entfernungen von Ort zu Ort und darüber hinaus an. Auf allen Strecken des Cursus publicus, soweit nicht Schiffe in Anspruch genommen werden mußten, waren in Abständen von 7-14 km Stationen zum Pferdewechsel und in 28-42 km Entfernung solche zur Erfrischung oder Übernachtung der Reisenden eingerichtet. Die Provinzen hatten für alles aufzukommen, was mit dem Cursus publicus zusammenhing, dessen Benutzung für die Reisenden kostenfrei war. Benötigt wurde ein Berechtigungsschein, den nur bevorzugte Personen erhielten. Von den Unterwegsstationen wird die Bez. Post abgeleitet. Unter den Kaisern Nerva, Trajan und Hadrian, die auch Staatsmittel zur Verfügung stellten, erlebte der Cursus publicus zwischen 96 und 138 auf über 80000 km ausgebauten Straßen und zahlr. Schiffslinien seine Blütezeit. Mit dem Einfall der Goten verfiel diese Einrichtung; im Oström. Reich bestand sie als Reitpost noch bis etwa 520.
in: Ullrich Häger: Großes Lexikon der Philatelie

Aufsätze in Anthologien und Zeitschriften

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Marc Moser: Alexius Knobloch. Ein Schweizer Bote im Fernverkehr des 16. Jahrhunderts
in: Archiv für deutsche Postgeschichte Heft 2/1975 Frankfurt/Main 1975

# Vorphilatelie / Altbriefkunde # Schweiz # Cursus publicus # Postgeschichte

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Fabrizio Finetti: Una "Cartolina romana" - Il carro postale di Virunum
in: Vaccari Magazine n. 51 maggio 2014 Vignola 2014

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